Dachneigung und Dachdeckung

Das Gefälle oder die Steilheit einer Dachfläche bezeichnet man als Dachneigung. Örtliche Bebauungspläne geben die erlaubte Dachneigung in Baugebieten an. Der Wert ergibt sich aus der Gebäudebreite, der First- und Drempelhöhe, die ebenfalls vorgegeben werden können. Je flacher das Dach ist, desto größer die Gefahr, dass Niederschläge unter die Deckung geweht werden. Eine Mindestdachneigung, bei der die gewählte Deckungsart als ausreichend Regenableitend gilt, nennt man Regeldachneigung. Dies gilt bspw. bei Biberschwanzziegeldeckung in Doppeldeckung ab 30°.

Die Dachneigung steht, wie gesagt, eng im Zusammenhang mit der Dachdeckung. Die Ansprüche an das Material, die Maßhaltigkeit und die Sorgfalt bei der Ausführung steigen, je flacher die Neigung des Daches ist. Bestimmte Systeme sind nur für einen definierten Neigungsbereich geeignet. Dachabdichtungen und Dachdeckungen sind grundverschiedene Techniken und beinhalten unterschiedliche Regeln und Risiken bei der Verlegung und Fertigung.

Dachdeckung

Eine Dachdeckung sind schuppen-, platten- oder bahnenartige Elemente, bei denen das Wasser von den höher liegenden auf die darunter liegenden Schuppen ablaufen kann. Die Schuppendeckung erlaubt es, Fehler bei der Fertigung leicht zu erkennen und zu korrigieren. Die Dachdeckung kann ohne weiteres als risikolos bezeichnet werden. Die Schuppen können sich dank ihrer Beweglichkeit Verformungen anpassen, ohne dass das Dach Schaden nimmt. Luftdruck kann durch Spalten und Fugen ausgeglichen werden und Dampfdruck entweicht nach außen. Die Ausführung stellt heute keine Probleme dar.

Die Wahl der Dachneigung ist also neben gestalterischen Aspekten und der gewünschten Nutzung des Gebäudes und des Dachraumes auch eine Wahl zwischen einer risikoarmen oder -reichen Möglichkeit das Dach dicht zu bekommen.

Dachabdichtung

Eine Dachabdichtung, also eine wasserundurchlässige Haut, wird bei flacheren Dächern gewählt. Die Abdichtung muss stehendes Wasser abhalten können. Die oft großflächigen Abdichtungen müssen ohne kleinste Fehlstellen ausgeführt werden. Eine undichte Stelle kann zur Durchfeuchtung und größeren Schäden am Dachtragwerk, Dämmung, etc. führen. In der Regel werden Abdichtungen ein- oder mehrlagig aus Dichtungsbahnen zusammengeklebt oder -geschweißt oder aus Spachtelmasse fugenlos aufgespachtelt. Auch lose aufgespannte Planen, die vorgefertigt werden, sind möglich. Die Materialien müssen in Perfektion gefertigt und eingebaut werden und trotz Alterung, thermischer Belastung und Witterungseinflüssen dauerhaft ihre Funktion erfüllen.


Dachdeckungs- und Dachabdichtungsmaterial

Dachziegel

  • auch: Dachpfannen
  • genormt nach DIN 456
  • aus gebranntem Ton hergestellt
  • mit oder ohne Verfalzung erhältlich
  • ohne Falzung: Biberschwanzziegel (eben); Hohlpfanne, S-Pfanne, Krempziegel, Mönch-Nonne-Ziegel (verformt).
  • mit Falzung: Strangfalzziegel (eben); Reformpfanne (einfache Falze); Flachdachpfannen (mehrfache Falze), u.v.m.

Dachsteine

  • werden aus Beton hergestellt
  • deshalb auch: Betondachsteine
  • genormt nach DIN 1115
  • Es werden nach Art der Wasserführung und der Falzung verschiedene Dachsteine unterschieden, bspw. Steine mit asymmetrischer oder symmetrischer Mittelwulst, hoch- oder tiefliegenden Längsfalzen, u.v.m.

Natursteinplatten

  • lagerhaft brechendes Naturgestein
  • in der Regel Sand- oder Kalkstein
  • als Rechteckplatten erhältlich
  • nach bestimmten Regeln zu verlegen
  • Platten werden durch vorgebohrte Löcher genagelt

Schieferplatten

  • Anforderungen in DIN 52201 - 52206 definiert
  • Schiefer wird über- oder unter Tage abgebaut, in Blöcke bzw. Platten gesägt und in dünne Platten gespalten
  • Platten werden nach bestimmten Regeln gedeckt, bspw. Altdeutsche Deckung, Deutsche Schuppen-Schablonendeckung, etc.

Faserzementplatten

  • Faserzement besteht aus Polyacrylnitril- und Polyvinylalkoholfasern, Zement und Wasser
  • Die Fasern wirken in der Platte wie eine Bewehrung
  • Verwendung als Fassadenverkleidung oder Dachdeckung
  • Die Glatt- bzw. Wellplatten gibt es in verschiedenen Größen

Glatte und profilierte Metallbleche

  • Übliche Metalle in der Dachdeckung:
  • Kupfer, Zink, Aluminium in Tafeln oder Bändern
  • Blei in Bandform und im Zuschnitt
  • Edelstahl in Tafeln oder Bändern
  • verzinktes Stahlblech in Tafeln, Bändern oder vorprofilierten Elementen

Holzschindeln

  • Verwendete Holzarten: Nadel- und Laubhölzer wie Fichte, Kiefer, Lärche, Eiche oder Buche
  • Importhölzer wie Red Cedar, Eastern White Cedar
  • Schindelarten: Scharschindeln, Leg- oder Spaltschindeln
  • Mindestdachneigungen beachten. Diese kann bei 3- oder 2-lagiger Deckung/ Anbringung variieren

Stroh und Schilf

  • Stroh hat wegen Mangel an Rohstoff (lange Halme werden beim Dreschen in der Maschine zerstört) kaum Bedeutung
  • Bedachung heute überwiegend aus Reet/Riet
  • gute Wärmedämmeigenschaften
  • wegen Brandschutz meist nur auf ein- oder zweigeschossigen Gebäuden möglich
  • Mindestdachneigung 45°
  • Befestigung der Garben mit korrosionsgeschütztem Draht
  • Lebensdauer bei guter Pflege und Überwachung 40 - 50 Jahre
  • Früher: billige Dachdeckung - Heute: einer der teuersten

Produkte zur Dachabdichtung allgemein

  • Abdichtungsbahnen nach DIN 18531 - Dachabdichtungen - Abdichtungen für nicht genutzte Dächer
  • Kunststoff- und Elastomerbahnen
  • Kunststoff- u. Elastomer-Dampfsperrbahnen
  • Bitumen-Dampfsperrbahnen
  • Bitumenbahnen mit Trägereinlage
  • flüssig aufzubringende Dachabdichtungen
  • Unterdeck- und Unterspannbahnen
  • nicht geregelte Dachdichtungsbahnen

Spezielle Bitumen- und Kunststoffbahnen

  • Bitumendachbahnen mit Rohfilzeinlage
  • Nackte Bitumenbahnen
  • Bitumen-Dachdichtungsbahnen
  • Bitumen-Schweißbahnen
  • Polymerbitumen-Dachdichtungsbahnen
  • Polymerbitumen-Schweißbahnen
  • Glasvlies-Bitumendachbahnen
  • Kunststoff-Dachbahnen und Kunststoff-Dichtungsbahnen aus Ethylencopolymerisat-Bitumen
  • Kunststoff-Dachbahnen aus weichmacherhaltigem Polyvinylchlorid mit Verstärkung aus synthetischen Fasern, nicht bitumenverträglich
  • Polymerbahnen werden auch als Kunststoffbahn bezeichnet
  • Erhältlich als Thermoplaste oder Elastomere
  • Polymerbahnen sind mit verschiedensten physikalischen und chemischen Eigenschaften erhältlich
  • Nahtverbindungen bei thermoplastischen Bahnen: Warmgasschweißen, Abdeck- oder Dichtungsbänder, Quellschweißen, etc.
  • Nahtverbindungen bei elastomeren Bahnen: Kontaktkleber, Schmelzklebebänder, etc.
  • Material der inneren Trägereinlage: Glasvlies oder -gewebe, Jutegewebe, Polyesterfaservlies
  • Auch Rohfilzpappe (nicht für Dachdeckung) oder Metallbandeinlagen (genutzte Dächer) möglich
  • Verlegung der Bahnen je nach (Flach)Dachneigung in den Flachdachrichtlinien festgelegt
  • Ausführung in der Regel zweilagig, manchmal dreilagig




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