Dachteile und Dachformen

Teile des Daches

Einzelne Elemente des Daches haben verschiedene gestalterische und konstruktive Aufgaben. First, Ortgang und Traufe werden als Ränder bezeichnet. Der First, als horizontaler oberer Dachabschluss, verbindet zwei Dachflächen regendicht und nimmt als höchster Punkt die Entlüftung einer belüfteten Konstruktion auf. Firste mit Dachüberstand bei einem Pultdach sind gleichzeitig konstruktiver Witterungsschutz der darunterliegenden Wand. Ebenfalls Bedeutung hat der Dachüberstand beim Ortgang - er schützt die Wand. Die unabhängige Bewegung von der Dachfläche und dem Baukörper muss im First- und Ortgangbereich gewährleistet sein. Die Traufe sorgt bspw. dafür, dass Regenwasser in eine Rinne abgeleitet wird. Auch Belüftungen werden hier angeordnet.

Grate, Kehlen, Gräben, Knicke, Stufen und der Sattelfirst sind sogenannte Kanten. Sie nehmen Bewegungen der einzelnen Dachflächen auf. Der First tritt bei Satteldächern auch als Kante auf. Problematisch ist die Kehlausbildung. Sie führt Wasser und hat oft Dichtungsprobleme. Dachstufen und -knicke verbinden, wie bei einem Mansarddach, verschiedene Dachneigungen und gliedern optisch Dachflächen. Eine Dachstufe trennt eine Dachfläche in zwei Teile, ein Knick führt die Dachfläche durchgehend weiter.

Öffnungen in der Dachfläche lassen Licht aber auch Wärme durch die Dachflächen. Man unterscheidet liegende Dachflächenfenster, die sich in die Dachfläche integrieren und Gauben (regional auch Gaupen). Gauben vergrößern den Dachraum und erlauben den Einbau von Fenstern. Die Gestaltung einer Dachlandschaft oder eines Hauses wird sehr durch die Anordnung und die Form von Gauben beeinflusst. In der Regel werden sie mit dem gleichen Material wie die Dachfläche eingedeckt. Belüftung und die Ableitung von Niederschlägen müssen funktionieren um Schäden zu vermeiden. Es gibt verschiedene Gaubenformen, wie bspw. Schlepp-, Giebel-, Fledermaus-, Walm-, Spitz-, Trapez- oder Rundgauben.

Durchdringungen in der Dachfläche für Lüftungsrohre oder Maste für die Satellitenschüssel sollten mit Formziegeln oder -steinen ausgeführt werden.


Dachformen

Neben der örtlichen, preislichen, technischen und bauphysikalischen Machbarkeit sind gestalterische Aspekte und die spätere Nutzung formgebend für das Dach. Anzahl, Lage und Form der Dachflächen zueinander bestimmen die Gestalt des fertigen Daches. Die Formenvielfalt lässt sich auf einige Grundformen zurückführen. Man unterscheidet Dachformen aus ebenen und gekrümmten Flächen. Diese werden nochmals jeweils in ein- und mehrflächige Dachformen unterteilt. So ist zum Beispiel ein ebenes, einflächiges Dach ein Pultdach oder ein Sheddach. Ein krummes Dach mit einem mehrflächigen Schnitt ist beispielsweise ein gewalmtes Spitzbogentonnendach. Hier einige übliche Dachformen:

  • Pultdach

Diese einfachste Dachform besteht aus einer ebenen Dachfläche, die flach zu einer Seite geneigt ist. Die Wand an der Traufseite (dem tiefsten Rand des Daches) ist niedriger als die Firstseite (dem höchsten Rand). Daraus ergibt sich eine Trapezform der Giebelwände. Räume mit Pultdach werden, ohne Dachboden, meist komplett genutzt.

  • Satteldach

Das Satteldach hat zwei gleichgroße, rechteckige Dachflächen, die am First regendicht verbunden sind. Die Seiten haben die gleiche Neigung und werden unten durch die Traufe und an der Giebelseite des Hauses durch den Ortgang begrenzt. Es gibt auch das asymetrisch angeordnete `einhüftige Satteldach`, welches einen außermittigen First und verschieden große Dachflächen hat.

  • Walmdach

Ähnlich dem Satteldach, sind die Giebeldreiecke zum Gebäude geneigt und ebenfalls als Dachflächen ausgebildet. Der First ist bei diesem Dach durch die zusätzlich geneigten Flächen verkürzt und die Traufe ist rundherum gleich hoch. Die sich ergebenden trapezförmigen Dachflächen bezeichnet man als Hauptdachflächen, die dreieckigen als Walmflächen.

  • Krüppelwalmdach

Bei dem Krüppelwalmdach sind die kleinen Walmflächen an der Giebelseite im oberen Bereich geneigt und als Dachfläche ausgebildet. Die Traufen sind mindestens eine Stockwerkshöhe über der Traufe des Hautdaches angeordnet.

  • Zeltdach

4 Walmflächen, also geneigte und gedeckte Flächen, treffen sich in der Spitze in einem Punkt. Dazu muss der Grundriss fast oder ganz Quadratisch sein.

  • Mansarddach

Mansarddächer haben geknickte Satteldachflächen. Die untere Hälfte der Dachflächen ist steiler geneigt als der Rest des Daches. Dadurch entsteht eine Kante, die Dachbruch genannt wird und etwa einer Stockwerkshöhe über dem Dachgeschossboden liegt. Ein großer Dachraum ist die Folge der auf den Franzosen Francois Mansart zurückgehenden Bauweise.

  • Sheddach

Hier sind flach und steil geneigte Dachflächen stets im Wechsel aneinander gereiht, fast wie eine Reihung von Pultdächern. Auf der Schattenseite liegen die verglasten, steileren Dachflächen. So kann man bspw. große Hallen mit Tageslicht versorgen, ohne dass die Sonne einstrahlt. Sheddächer gibt es in verschiedenen Ausführungen, bspw. als Walmdachshed oder HP-Schalenshed.

  • Flachdach

Obwohl es nicht zu den geneigten Dächern gehört, soll es hier kurz Erwähnung finden. Ist keine sichtbare Neigung des Daches vorhanden, spricht man von einem Flachdach. Eine waagerechte Dachumrahmung, eine sogenannte Attika, erreicht denselben Effekt. Jedoch kann sich dahinter ein leicht geneigtes Dach befinden. Flachdächer sind immer in der Diskussion und in der Kritik. Schlecht ausgeführte Dächer werden problematisch, wenn Niederschlagswasser nicht abfließen kann. Ein Mindestgefälle von 2 % wird in den Flachdachrichtlinien gefordert. Bei weniger Gefälle spricht man von einer Sonderkonstruktion. Die 2 % können zum Problem werden, wenn überlappende Dichtungsbahnen, Verformungen von Tragwerk, Verformungen durch thermische Einflüsse und Schmutzansammlungen das Mindestgefälle zunichte machen.

Es gibt noch eine Vielzahl von Dachformen, die aus den üblichen kombiniert und durch Türme oder Kuppeln ergänzt werden können. Außerdem gibt es Flächentragwerke, Membrandächer, Seilnetztragwerke und Gitterkonstruktionen, deren Ausführung den Rahmen sprengen würde.



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